In einer fremden Stadt verirrt? Ein Hostel mit Bed bugs (kleine, fiese Käferbiester, die in der Nacht bevorzugt Rucksackreisende anknabbern und juckende Hubbel hinterlassen) erwischt? Das ist noch gar nichts. So peinlich oder ärgerlich manche Situationen sind, in die man als Reisender leicht gerät: Du bist nicht allein. So etwas kann sowohl Anfängern, aber auch richtigen Backpacker-Profis passieren. Shit happens und am Ende hast du immerhin eine gute Geschichte für die nächste Feier.

Beginnen wir mit der Ankunft:

Scharfe Paprika - Exotische Essenserfahrung im Ausland

  • Reise ins Ungewisse

Aufgepasst vor den unberechenbaren Zeitgenossen, denen jeder Reisende begegnen wird. Er sieht harmlos aus, hat es aber meist faustdick hinter den Ohren. Seine Taktik: Erst redet er dich ins Koma, dann überrumpelt er dich. Du bist gerade in einem fremden Land angekommen, schwitzt bereits unter der Last deines überladenen Rucksacks (schone unsere Reiselisten-Tipps für Minimalisten gesehen?) und schon als du aus der Flughafenhalle trittst, bekommst du einen kleinen Kulturschock: Es ist laut, es ist drückend heiß/kalt und ein Riesenameisenhaufen von fremden Menschen in einer unbekannten Sprache krabbeln auf dich zu. Total überfordert springst du in ein Taxi (für das du bei der ersten Fahrtimmer zu viel zahlst) und atmest auf. Der Taxifahrer ist gut drauf und plappert munter drauflos. Dann fragt der Fahrer, wohin er dich fahren soll und schreit bei deiner Antwort empört auf:

Oh no, no, no! This is really, really bad hostel. Don’t go there. They will steal from you and it’s no good clean. Lot of bugs. No good food. I bring you to better place. From good friend of mine. He has best hostel of town. Very cheap, very good. You will see.“

Natürlich protestierst du am Anfang. Aber ganz ehrlich, du bist hundemüde und willst nicht diskutieren. Also beschließt du, dir das andere Hostel einfach mal anzusehen. Was kann es schon schaden? In der Sekunde, in der du das denkst, hat der Taxifahrer schon gewonnen. Du weißt es nur noch nicht, aber: Du wirst mit hoher Wahrscheinlichkeit in dem Hostel übernachten, in dem er dich absetzt. Aber wer weiß? Vielleicht war dein ursprüngliches Hostel ja wirklich schrecklich. Möglich ist es.

 

  • Währungsdschungel

So viele neue Erfahrungen während einer Reise machen Appetit. Also setzt du dich in ein nettes Restaurant und reibst dir schon die Hände vor Vorfreude. Es duftet herrlich nach exotischem Essen. Mit knurrendem Magen bestellst du die Speisekarte rauf und runter und fühlst dich wie ein König. Ein tolles Gefühl, wenn man sich mal alles leisten kann, worauf man Appetit hat. Am Ende dieses Festmahls gibst du noch ein großzügiges Trinkgeld. Du fühlst dich satt und zufrieden. Als du weiterschlenderst, willst du dir ausrechnen, wie viel noch in der Reisekasse ist. Du überlegst, stutzt, überlegst panischer und auf einmal kommt die grausame Erkenntnis über dich: Du hast dich komplett verrechnet. Das war wohl eher eine Touristenfalle anstatt eines der typischen einheimischen Lokale. Denn was aussah wie ein billiges Schnäppchen, hat in Wirklichkeit ziemlich stolze Preise. Das ist ziemlich ärgerlich, aber jetzt kannst du es auch nicht mehr ändern. Das geht dann wohl aus Konto Erfahrung. Und lecker war es ja trotzdem.

 

  • Urlaubsfieber

Sich im Urlaub zu verlieben ist ja so was von armselig. Du lächelst mitleidig, wenn dir jemand eine Geschichte über einen unglücklichen Urlaubsflirt erzählt. So etwas könnte dir nie passieren, denn so naiv bist du einfach nicht. Das denkst du so lange, bist du auf einmal diesen wahnsinnig sexy Surferboy am Strand siehst. Oder du diesen charmanten Italiener im Hostel kennenlernst, mit dem du dich stundenlang unterhältst. Und als er dich dann nach einer Partynacht küssen will, lässt du dich ohne nachzudenken darauf ein. Warum auch nicht? Ist ja nur ein bisschen Spaß. Im Urlaub soll man schließlich genießen.Doch irgendwann ist es Zeit für den Abschied. Und auf einmal heulst du wie ein Schlosshund, weil du überzeugt bist, dass du nie wieder einen so wahnsinnig tollen Kerl kennenlernen wirst. Ja, du denkst sogar ernsthaft über eine Fernbeziehung nach oder darüber, gleich auszuwandern. Dass der Typ den ganzen Tag kifft und nur Party macht? Egal! Game over.

 

  • Die LonelyPlanet – Falle

„Eine kleine heiße Quelle, die am Waldrand versteckt ist und einen Blick über das ganze Tal hat.“ Klingt traumhaft oder? Natürlich willst du dir dieses Highlith auf deiner Reise nicht entgehen lassen. Was du findest ist das: 30 (halb)nackte Reisende, die sich in die kleine Einbuchtung quetschen, Bier trinken und giggeln. Das erinnert eher an Spring Break als an Erholung. Verflucht seist du und deine Geheimtipps, Lonely Planet! Meistens ist der Lonely Planet ja wirklich super, lustig geschrieben und sehr aktuell. Das Problem ist nur: inzwischen ist fast jeder Backpacker mit demselben Reiseführer ausgerüstet. Ein Must-Have für jeden seriösen Reisenden, der Geheimtipps und „local experiences“ entdecken will. Und genau in diesem Satz steckt schon der Fehler. Wie sollen diese Plätze noch Geheimtipps sein, wenn jeder den gleichen Reiseführer hat. So wird Backpacking zur Massenabfertigung. Unser Tipp: Kauf dir einen anderen Reiseführer, lass dir Empfehlungen von Einheimischen und dem Hostelbesitzer geben. Oder besauf dich, feier mit und setz dich in die heiße Nudelsuppe rein. Du lebst schließlich nur einmal – und es kennt dich auch garantiert niemand.

Tolle Abenstimmung auf orientalischem Markt

 

  • Jagdfieber!

Achtung, Jagdfieber! Dies ist weit verbreiteter Virus, die man sich leicht auf Reisen zuzieht. Symptome: glasiger Blick, erhöhter Puls, feuchte Hände, Blockade der rationalen Gehirnhälfte. Auswirkungen: regelmäßige Paketlieferungen mit Einkäufen zu dir zu Hause. Kennst du? Dann hat es auch dich schon mal erwischt. Dabei warst du doch so stolz, dass du wirklich nur das Nötigste eingepackt hast. Dafür hast du schließlich Ewigkeiten über der perfekten Reiseliste gegrübelt. Ein richtige Backpacker braucht nicht viel. Aber die Versuchungen sind groß. Beim Schlendern durch die lokalen Märkte siehst du dann alle diese bunten Kleider und hübsches Handwerk .

Dein Virus quietscht: „Woooow, das ist so schön! Das sind alles Sachen, die ich nie zu Hause bekommen würde.“  Dein Kopf sagt: „Ähm…Aber das brauchst du doch alles gar nicht.“ Dein Virus brüllt:Das ist auch noch alles soooo billig und außerdem eine schöne Erinnerung! Vielleicht sollte ich meiner besten Freundin auch noch so ein schönes Tuch mitnehmen?!“ Dein Kopf seufzt. Und schaltet sich ab.

 

Touristen Kitsch im AuslandDas Resultat: Du hast den ganzen Tag nur auf einem Markt verbracht, dein Geldbeutel ist leer und dein Rucksack lässt sich nicht mehr schließen, weil er voller Reisesouvenirs ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass dir diese Sachen zu Hause nicht mehr gefallen oder sie ein paar Mal nach dem Tragen auseinanderfallen, ist meiner Erfahrung nach aber….beträchtlich. Aber sei nicht so streng mit dir: Du hattest einen schönen Tag und hast immerhin du die lokale Wirtschaft mit deinen Einkäufen unterstützt. Die Pyramiden/ Macchu Picchu/ Eiffelturm laufen dir ja auch nicht weg. 😉

 

  • Meisterganoven

„Can I ask you something?“ Aber natürlich, „Yes“.

Höflich, gut erzogen und in guter Laune lässt du dich gerne in ein Gespräch verwickeln. Doch als du dich verabschiedet hast und nach deiner Kamera oder dem Handy suchst, greift deine Hand ins Leere. Schwups, weg. So schnell ging das. Billiger Trick, aber funktioniert immer wieder. Und das ist nur eine von vielen ausgefuchsten Methoden, um Touristen zu bestehlen. Verfall jetzt bitte nicht in Panik und werde paranoid. Aber in gewissen Situationen, z.B. auf Märkten, in Menschenmengen oder öffentlichen Verkehrsmitteln gilt erhöhte Vorsicht. Natürlich gibt es auch clevere Tricks für dich, um dich vor Dieben zu schützen. Dazu bald mehr. Aber wer seine Urlaubsfotos und auch sein Geld behalten will, sollte seine Wertsachen auf Reisen stets im Auge und am Körper behalten. Der Profi-Weltenbummler hat auch hier seine Tricks, um sich vor Diebstählen zu schützen. (Mehr dazu hier)

  • Autofokus

Was ich jetzt sage, hört sich zunächst vielleicht widersprüchlich an. Steck endlich mal deine Kamera weg! Urlaubsfotos sind für uns mit das wertvollste, was wir nach einer Reise als Erinnerung mit nach Hause nehmen. Aber viele Weltenbummler tendieren dazu, zu viele Fotos zu machen. Wenn du die ganze Reise über nur durch die Kameralinse erlebst, verpasst du das echte Leben.
Qualität vor Quantität! Mach ein paar Fotos und verstaue dann die Kamera sicher im Rucksack. Und danach: mit allen Sinnen erleben. Es gibt Erinnerungen, die wir nicht nur mit der Kamera, sondern auch mit dem Kopf einfangen können. Dort bleiben deine Bilder und v.a. Gefühle dauerhaft bestehen und sind noch dazu diebstahlsicher. Überraschung: Sie werden dort mit der Zeit sogar immer schöner! 🙂

  • Reiseleben: Oh these Zombie-Nights

Natürlich versucht man beim Backpacken auf alle erdenklichen Weisen zu sparen. Aber einige Dinge sind es wirklich nicht wert. Dazu gehört ein Schlafsaal zwischen 10 und 15 Personen. Denn außer A) du bist total betrunken oder B) hast seit zwei Nächten durchgemacht, wirst du hier nicht schlafen können. Und genau dafür hattest du ja eigentlich bezahlt. Natürlich hast du als Backpacker die richtige Ausrüstung dabei: Ohrstöpsel! Ohrstöpsel? Netter Versuch. Es gibt Schnarcher, gegen die hilft kein Mittel der Welt. Und nicht jeder Zimmergenosse schläft in der Nacht. Gefühlt jede Minute reisen Backpacker an oder ab, kommen ins Zimmer oder auch mal im Zimmer. Meiner Erfahrung nach lohnt es sich, ein bisschen mehr Reisebudget in guten Schlaf zu investieren. Oder als Frau in ein Female Dorm. Dann kann man am nächsten Tag auch erholt und un traumatisiert in neue Abenteuer starten. Spar das Geld doch einfach bei den kitschigen Reisesouvenirs ein? 😉 Ganz ehrlich: die meisten davon gefallen dir zu Hause eh nicht mehr. Und deinen Bekannten erst recht nicht.

Und mit diesen Reisetipp: Bon voyage!

Ein Gedanke zu „8 Reisefallen, die man vermeiden kann

  1. Hi Julia, was für ein witziger Artikel. Ich finde mich in fast allen diesen Situationen selbst wieder!
    Generell gefällt mir dein Blog und dein Schreibstil sehr.

    LG Anni
    von yogagypsy.de

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