In 36 Stunden so weit wie möglich von München wegkommen – ohne einen Cent auszugeben?
Dabei auch noch Geld für den guten Zweck sammeln? Ich bin dabei!

 

Die Spielregeln

Die ganze Aktion nennt sich BreakOut und ist ein Spendenmarathon der anderen Art: Zweier-Teams versuchen in den besagten 36 Stunden möglichst weit vom Startpunkt München wegzukommen, ohne dabei Geld für Transportmittel auszugeben – ob mit Auto, Zug, U-Boot oder Kamel ist dabei egal. Pro erreichtem Kilometer Luftlinie werden sie von ihren Sponsoren mit einem Spendenbeitrag für das DAFI-Projekt der UNO-Flüchtlingshilfe unterstützt.

 

Die Planung

Das Abenteuer fing erst mal ziemlich langweilig mit einer Menge Planung an. Meine Teampartnerin und ich legten im Vorfeld Dubrovnik in Kroatien als Ziel fest. Dementsprechend wurden Reiseführer, Wörterbuch, Karten und natürlich Bikini eingepackt und diverse Internetseiten nach Hitchhike-Tipps im Balkan durchforstet. Umfassend vorbereitet ging es also Anfang Juni 2015 am Geschwister-Scholl-Platz in München mit 100 anderen abenteuerlustigen und motivierten Teilnehmern an den Start.

Kurz vor 9 Uhr begann der Countdown…
10, 9, 8 …Wie weit würden wir kommen, wie viele Länder würden wir durchreisen?
… 7, 6, 5… Wer nimmt uns mit, nimmt uns überhaupt wer mit?
… 4, 3, 2 … Sind wir morgen tatsächlich an unserem Ziel Dubrovnik oder würden wir schon an der ersten Raststätte außerhalb Münchens stranden?
… 1 – GO!

 

BreakOut

Panisch liefen die ersten Teams Richtung Straße und hofften auf Mitfahrgelegenheiten. Wir, noch etwas ratlos, wie wir unser Abenteuer Richtung Süden starten sollten, versuchten es erst mal mit der guten alten Methode – Daumen raus plus Schild mit der Aufschrift „Süden“, dazu ein nettes Lächeln und viel Hoffnung.

Tatsächlich sollte es nicht allzu lange dauern und die erste Mitfahrgelegenheit Richtung Süden war gesichert.

Ein nettes deutsches Paar auf dem Weg zum Gardasee gabelte uns auf und ließ uns spontan alle unsere Pläne über den Haufen schmeißen. Dubrovnik? Balkan? Eingepackte Reiseführer, Balkankarten und Kroatisch-Wörterbuch? Ach was soll’s – es lebe die Spontanität! Es geht nach Italien!

So fanden wir uns 4 Stunden nach dem Start bereits auf einer italienischen Raststätte nördlich des Gardasees wieder. Die Motivation war hoch und ohne festes Ziel vor Augen war die Abenteuerlust ins Unermessliche gestiegen.

 

Der Rucksack für die Reise ist gepackt

Jeder Meter zählt beim Breakout – schließlich geht es ums Spendensammeln.

 

Mit Grillkäse nach Bologna

Ohne größere Zwischenhalte kamen wir vom Gardasee mit einem deutschen Geschäftsmann nach Verona und mit einem italienischen Studenten, samt seinem stinkenden Käse im Handschuhfach und gefühlten 50 Grad im Auto, weiter nach Bologna. Paolo, ein rasender florentinischer Schuhdesigner nahm uns bis kurz vor Florenz mit und bot uns lieberweise an, dass wir bei ihm und seiner donna bella in Florenz übernachten könnten. Etwas geblendet von unserem bisherigen Erfolg lehnten wir ab und ließen uns an einer kleinen Raststätte absetzen.

Hier war dann auch erst mal Schluss mit unserem Glück. Bei einem fast schon zu kitschigen Sonnenuntergang saßen wir nun zwischen lauter italienischen LKW-Fahrern auf einer etwas in die Jahre gekommenen Tankstelle fest, weit und breit keine Mitfahrgelegenheit in Sicht. Klar war nur, dass wir nicht unbedingt hier unser Nachtlager aufschlagen wollten.

Zum Glück erbarmte sich irgendwann ein LKW-Fahrer und nahm uns tatsächlich bis nach Rom mit. Fernando stellte uns eindeutig unter Beweis, dass auch Männer Multitasking-fähig sind: Er erzählte uns von seiner hübschen Frau und den süßen Kindern, während er gleichzeitig Bikinimodells auf seinem Handy eingehend auf ihre nicht vorhandene Cellulite inspizierte und uns irgendwie tatsächlich unfallfrei nach Rom brachte.

Nach dieser nervenaufreibenden Fahrt ließen wir den ersten BreakOut – Tag stilecht an einer Tankstelle nördlich der italienischen Hauptstadt im nächtlichen Straßenlaternenlicht bei einem schwitzenden Käsebrot ausklingen. Der erste Tag war so gut wie vorbei und wir waren bis nach Rom gekommen! Sollten wir es morgen tatsächlich noch bis in den Süden Italiens schaffen oder wer weiß, sogar bis Malta? Unser Ehrgeiz war ungebrochen und wir wollten unbedingt noch einige Spendenkilometer schaffen. Auf einmal hielt ein deutsches Kennzeichen vor uns an der Tankstelle. Wir konnten unser Glück kaum fassen. Der Kemptner Klempner – ein wahrer Zungenbrecher – wollte uns bis nach Salerno, südlich von Neapel mitnehmen.

Circa 4:30 Uhr früh. Eine Raststätte, genauer gesagt, ein versteckter Busch an einer Raststätte irgendwo zwischen Neapel und Salerno und wir darunter, eingepackt in Jacken und Kapuze – so versuchten wir zumindest ein bisschen Schlaf abzukriegen. Neben einer vielbefahrenen Autobahn und mit der bereits aufgehenden Sonne natürlich ein schlecht durchdachter Plan.

Roadtrip in den Süden

Auch eine Katzenwäsche im Tankstellenbad kann erfrischend sein

 

 

Die zweite Etappe

Mit tiefen Augenringen und nach einer kurzen Katzenwäsche im Tankstellenbad, packten wir unser Schild mit „Süden“ wieder aus und warteten und warteten und warteten… Drei Stunden später warteten wir immer noch.

Schon unsere Pläne für weitere Spendenkilometer begrabend, hielt irgendwann endlich ein Auto an. Leider handelte es sich um ein Polizeiauto mit zwei Polizisten, die uns erklärten, dass Trampen an Autobahnen in Italien leider verboten ist. Schade.

Aber, Signore Carabinero, Sie wären nicht zufällig so nett uns in die nächste Ortschaft mitzunehmen?! Nein, waren sie natürlich nicht. Aber immerhin dazu bereit, uns eine Mitfahrgelegenheit zum nächsten Bahnhof zu beschaffen. Okay, das Angebot nahmen wir natürlich dankend an, denn ohne die Polizei, unseren Freund und Helfer, wären wir wohl noch Stunden an der Raststätte festgesessen. So landeten wir bei einem Croissant-Lieferanten, der uns zum Bahnhof von Sarno brachte.

Wieder vollauf motiviert, schafften wir es mittels unserer bereits geschulten Überredungskünste einen Busfahrer zu bequatschen, uns zur nächsten größeren Stadt mitzunehmen. Tatsächlich ist es wohl wahrscheinlicher, dass er dank unseres gebrochenen Italienischs unsere Break Out- Spendenerklärung für ein Interrail-Ticket gehalten und uns ohne weiteres Nachfragen mitgenommen hat. Wie man so schön sagt, einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.

 

Endlich Meer!

Nach all den langen Stunden im Auto und Bus hieß es erst mal etwas Entspannung am Meer bei Salerno – denn bei allem Ehrgeiz sollte man natürlich auch den Spaß bei der Sache nicht vergessen. Frisch erholt, hieß es dann in der brütenden Mittagshitze wieder Daumen raus und warten und warten und weiter warten. Wir begruben unsere Pläne, an diesem Tag noch weiter Richtung Süden zu kommen. Wir versuchten aber weiterhin unser Glück, denn immerhin hatten wir noch 8 Stunden bis zum offiziellen Ende des BreakOut und wollten einfach doch noch nicht ganz aufgeben.

Das Durchhalten sollte sich lohnen. Letztendlich nahm uns ein italienisches Pärchen zumindest ein paar Kilometer mit raus aus der Stadt. Hier wurden wir wiederum von einem italienischen Gartenbauer mitgenommen, der uns während der Fahrt gleich noch seine persönlichen Highlights von Kalabrien zeigte – ein kleines Café in einem süßen Dorf und ein Kieswerk.

 

Endspurt

Jetzt hieß es Endspurt! Nur noch ein paar Stunden bis zum offiziellen Ende des BreakOut und wir fanden uns erneut auf einer Raststätte, diesmal mitten in Kalabrien, wieder. Würde uns noch jemand mitnehmen? Wie weit würden wir noch kommen? Würden wir es tatsächlich bis nach Sizilien schaffen? Meinen Bedarf an Autobahnraststätten hatte ich definitiv bereits gedeckt. Die Hitchhike-Götter sollten uns an diesem Tag jedoch noch ein letztes Mal wohlgesonnen sein und so nahm uns die erste Frau auf unserer Reise tatsächlich bis in das gelobte Land, Sizilien, mit! Sie fuhr für uns sogar noch einen Umweg und brachte uns direkt zu einem Hostel in Catania.

Die letzte Stunde der Aktion war bereits angebrochen. Mit unserer verbliebenen Motivation legten wir die letzten Kilometer zu Fuß zurück, während aus unserem tragbaren Lautsprecher „I would walk 500 miles“ von The Proclaimers ertönte und wir einige verwirrte Blicke ernteten. So endete unser BreakOut-Abenteuer um 21 Uhr auf einem kleinen mit Fliederbäumen bestandenen Platz und ein paar Fußball spielenden Kindern als einzige Zeugen unseres feierlich aufgeführten Siegestanzes.

Nach 36 Stunden waren wir tatsächlich in Catania, Sizilien, gelandet und hatten dabei mehr als 1200 km zurückgelegt ohne auch nur einen Cent für Transportmittel ausgegeben zu haben. Unsere kühnsten Vorstellungen waren eindeutig übertroffen worden. Insgesamt wurde von allen Teams zusammen die unglaubliche Spendensumme von 71.000 Euro gesammelt.

Für mich war es vor allem ein großes Abenteuer und eine einzigartige Erfahrung, bei der man an seine eigenen Grenzen stößt und nie weiß, wo einen die Reise hinführt oder welche Menschen man als nächstes trifft.

Danke an das BreakOut -Team für die tolle Organisation und an all die verrückten, netten und tollen Menschen, die uns mitgenommen und so unser Abenteuer erst möglich gemacht haben!

 

1200 Kilometer von Bayern bis Sizilien in 24 Stunden

 

Christina Kühnhauser

 

 

 

Weitere Infos

zu Break Out unter www.break-out.org,

zum DAFI-Projekt der UNO-Flüchtlingshilfe unter https://www.uno-fluechtlingshilfe.de/fluechtlinge/zukunft/dafi-stipendien.html

Ein Gedanke zu „Quer durch Europa ohne Geld – Ein Spendenmarathon der anderen Art

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